



Nicht nur der Name "2. Abschnitt d. Ärztlichen Prüfung" ist ein Hammer auch die Anzahl der Fächer die gelernt werden müssen schlagen hart ein.
Am Ende des Studiums kommt der Hammer. Nach langen Jahren Studium gilt es im zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung sein angehäuftes Wissen unter Beweis zu stellen. Mit der 9. Novelle der Approbationsordnung wurde das Examen, welches bisher in drei Schritte unterteilt war, zu einem großen Examen zusammengelegt. Daher prägten die Studenten auch den Begriff „Hammerexamen“.
Die harten Fakten
Das Hammerexamen ist nach dem praktischen Jahr abzulegen. Das ist und bleibt einer der Hauptkritikpunkte des neuen Examens. Nach dem Abschluss des PJ bleiben in der Regel knapp 3 Monate Zeit für eine intensive Vorbereitungsphase.
Die Prüfung besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil, die Examensnote wird berechnet als Mittelwert beider Teile.
Formalitäten
Es gibt im schriftlichen Teil 320 Fragen, die Prüfung findet an drei Tagen zu je 5 Stunden statt. Prinzipiell hat man also mehr Zeit für weniger Fragen. Die Anzahl abprüfbarer Krankheitsbilder und Fakten muss dadurch zwangsläufig reduziert werden. Im mündlichen Teil der Prüfung werden Innere, Chirurgie und das Wahlfach geprüft. Schriftliche und mündliche Prüfung zählen 50:50. Eine schriftliche 5 kann nicht durch eine mündliche 2 ausgeglichen werden.
Diese rein formalen Änderungen zwingen den Studenten schon zur Änderung der Lernstrategie. Weitere wertvolle Tipps, insbesondere zum Inhalt bieten der neue Gegenstandskatalog des IMPP und Berichte von dem durch das IMPP durchgeführten Pretest.
Der neue GK und der Pretest bieten einen Ausblick
Nach den Vorgaben der Approbationsordnung und nach den Vorstellungen des IMPP gibt es keine Fächertrennung mehr, sondern Leitsymptome und Krankheitsbilder. Diese beiden Komplexe werden im Kontext von Fallbeispielen abgefragt. Damit soll dem Streben nach Praxisnähe im Studium Rechnung getragen werden.
Um diese neue Art von Fragen auszuprobieren, hat das IMPP Pretests veranstaltet und Medizinstudenten an ein Beispielexamen gelassen. Aus Berichten der teilnehmenden Studenten lässt sich zusammenfassend schliessen:
Die bestmögliche Lernstrategie
Für das Hammerexamen gibt es mittlerweile von Elsevier verschiedene gute Bücher. Aber auch Thieme bietet mit z.B. 2. ÄP - Schwerpunkt Innere Medizin das nötige an.
Jedoch braucht man zum lernen, für das Hammerexamen nicht unbedingt neue Bücher. In den Büchern zu den einzelnen Fächern steht alles Notwendige, man muss es nur zusammenfügen. Wenn also auf dem Lernplan „Neurologie“ steht, sollte man nicht von vorne nach hinten im Neurologiebuch lesen.
Vielmehr kann man beispielsweise zum Leitsymptom „Meningismus“ zunächst das klinische Procedere, Ätiologie, Liquorveränderungen, Therapie etc. einem Neurologie-Lehrbuch oder noch besser einem Fallbuch entnehmen. Ergänzend kann man in einem Buch zur Pathologie die typische Histologie der eitrigen Haubenmeningitis und der tuberkulösen Meningitis rekapitulieren. Weiter geht es zur Mikrobiologie, zu Eigenschaften und Empfindlichkeiten von Meningokokken, hinüber zur klinischen Prüfung des Meningismus in einem Anamnesebuch.
Auch wenn dieses Vorgehen mühsam erscheint, so ist es sinnvoll und notwendig, selber Brücken zu bauen. Nur so kann man sich umfassendes klinisches Wissen mit Praxisbezug erarbeiten und in der Prüfungssituation ein gesundes Selbstvertrauen haben. Helfen können bei der individuellen Vorbereitung auch Mindmaps mit assoziativen Faktensammlungen oder die von vielen beim Lernen beschworenen Karteikarten.
So sollten Schritt für Schritt die nach Organsystemen gegliederten Symptome und die Krankheitsbilder des neuen GK2 abgearbeitet werden. Im Dunkeln verbleibt allerdings, wie man sich auf viele der Querschnittsbereiche und neue Fächer vorbereiten soll. Gesundheitsökonomie, Rehabilitation oder Infektiologie/Immunologie sind beispielsweise große Unbekannte. Hier kann man sich als Student kontextbezogen einlesen und auf sinnvolle Fragestellungen hoffen.
Soll man die gelbe oder schwarze Reihe kreuzen?
Mediscript - die gelbe Reihe - als Beispielexamina oder die Schwarze Reihe als Kompendium von Examensfragen waren schon immer beliebte Lerninstrumente von Medizinstudenten. An den Fragen entlang konnte man immer Defizite entdecken, ein Gespür für die Anforderungen des IMPP entwickeln und sich selbst unter möglichst examensnahen Bedingungen selbst testen. Das Kreuzen von Altfragen war eines der Fundamente der Examensvorbereitung.
Mit der Änderung des Examens fallen nun im Prinzip alle Altfragen weg. Die Orientierung an Fallbeispielen gab es in alten Examen nicht. Zudem ist die Strukturierung der Themen und die Gruppierung der Fragen eine andere. Jedoch gab es bereits in vergangenen Examina Bestrebungen, die Fragen praxisnah und klinikrelevant zu stellen. Das Grundprinzip Multiple Choice mit einer richtigen Antwort unter 5 möglichen bleibt ebenfalls erhalten. Ebenso wird ein beträchtlicher Teil der Prüfung auch aus Fragen in alter Manier, also ohne Einbettung in ein Fallbeispiel erfolgen.
Das Kreuzen von Fragen sollte daher nicht ganz aus dem Lernkonzept genommen werden. Fragen kreuzen erlaubt immer noch ein sehr effektives Training für Multiple Choice. Nicht umsonst sind viele Medizinstudenten nach ihrem Studium vielversprechende Kandidaten für Günther Jauchs „Wer wird Millionär?“. Praktisches und theoretisches Wissen sind eine Seite der Medaille, die korrekte Umsetzung bei der Beantwortung der MC-Fragen eine ganz andere. Daher gilt auch für die Zukunft: Keine Scheu vor dem Kreuzen.